Sommerstammtisch der GRÜNEN Dreieich: Themen Senioren, Tierschutz und Sport (11.08.2010)
Der ´rote Faden´: Mangelnde Würdigung des Engagements und „das liebe Geld“
„Durchweg positiv“ war die Resonanz auf das Sommerstammtisch-Angebot der GRÜNEN, das schon traditionell auch dieses Jahr an den Montagabenden in den Sommerferien stattfand. Es ging um sehr unterschiedliche gesellschaftliche Themenbereiche, aber durch alle Gesprächsrunden zog sich ein roter Faden: „Wie wichtig das ehrenamtliche Engagement ist, wird zwar allenthalben betont, jedoch wird es doch nicht ausreichend gewürdigt. Und angesichts der leeren öffentlichen Kassen bzw. des enormen Schuldenbergs geraten auch die Aktivitäten der Vereine unter wirtschaftlichen Druck“, resümiert GRÜNEN-Fraktionssprecher Roland Kreyscher.

v.l.n.r. Roland Kreyscher, Peter Graff und weiter die VertreterInnen der Vereine: SVD, Sprendlinger Schützengesellschaft, STG, Vultures und SUSGO Offenthal.
Thema Senioren: Altern in Dreieich – wie und wo leben?
Mit den Besuchern – darunter pflegende Angehörige und ein Mitglied des Heimbeirats des Ulmenhofs – wurde darüber diskutiert, wie die Möglichkeiten hier in Dreieich für das Leben im Alter sind und wie man der Vereinsamung entgegenwirken könnte. Alle Teilnehmer der Gesprächsrunde waren sich darin einig, dass für die betroffenen Senioren der Einzug in eine der vorhandenen Pflegeeinrichtungen oft deshalb notwendig wird, weil andere Angebote des selbstbestimmten Wohnens noch viel zu wenig vorhanden sind. Neben den bestehenden Einrichtungen wie z.B. das erst kürzlich in Buchschlag realisierte Projekt „Wohnen unter einem Dach“, fehlen in Dreieich Angebote für andere Lebensformen für ältere Menschen wie Mehrgenerationenhäuser oder integrative Wohnformen. Das Gingko-Haus in Langen wurde als sehr positives Beispiel hervor gehoben, da es wohnen für „fitte“ Senioren ermöglicht und auch ein Wohnbereich für demente Menschen angeschlossen ist.
GRÜNEN-Fraktionssprecherin Heidi Soboll: „Wir haben feststellen müssen, dass die Bedürfnisse der stark zunehmenden Zahl an Senioren bisher in der Stadtplanung nicht berücksichtigt werden. Bei der Planung von Neubaugebieten, wie dem Heckenborn oder dem Baugebiet westlich der Albert-Schweitzer-Str., sind Gebäude mit barrierefreien Wohnungen oder Projekte für alternative Wohnformen im Alter bisher nicht vorgesehen.“ Diese müssten von Interessengruppen an die Stadt Dreieich herangetragen werden. Eine Anregung haben die GRÜNEN gerne aufgenommen: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass es analog zum ´Runden Tisch Radverkehr´ in Dreieich künftig ein ähnliches Forum gibt. Es soll sich im Besonderen um die Bedürfnisse von Senioren im öffentlichen Raum kümmern, wie z.B. das beseitigen von Hindernisse für Menschen mit Gehhilfen wie Rollatoren etc..
Thema Tierschutz: „Tierschutz ist Menschenschutz“, so das Selbstverständnis der in den Dreieicher Tierschutzvereinen aktiven ehrenamtlichen TierschützerInnen.
„Zwar hatte das Thema bei unserem Sommerstammtisch Premiere, aber mit fast 20 TeilnehmerInnen war es die mit Abstand stärkste Resonanz“, so Jörg Roggenbuck, der das Thema angeregt hatte. Auch hier der Tenor: Zwar ist die Zusammenarbeit mit der Stadt bzw. dem Tierheim Dreieich-Dietzenbach und dessen Geschäftsführung sehr gut. Aber ansonsten wird die allgemeine Wertschätzung des Engagements eher negativ beurteilt. Die Hilfe für in Not geratene Tiere wird zwar gerne angenommen, aber sobald es darum geht finanzielle Unterstützung zu bekommen, z. B. für die enormen Tierarztkosten die der ´Tierhilfe aktiv´ jährlich entstehen, wird abgewinkt.
Als Folge der Wirtschaftskrise gibt es einen gestiegenen Bedarf, denn mehr Tiere denn je werden abgegeben als von Familien aufgenommen. So mancher Hartz-IV-Empfänger muss sich von seinem Liebling trennen, weil er die Kosten für Futter, notwendige Impfungen oder Tierarztbesuche nicht mehr bestreiten kann. Auch die TierschützerInnen von ´Artgerecht´ sind rund um die Uhr aktiv und an allen Tagen ansprechbar und reagieren sofort. Dieses Engagement werde, darin waren sich die Vertreter der verschiedenen Tierschutzvereine einig, öffentlich viel zu wenig wahrgenommen und politisch zu wenig gewürdigt.
Fazit: Tierschutz ist auch Menschenschutz. Die soziale Komponente wird leicht unterschätzt. Der Verlust des Haustiers als einen meist jahrelangen Wegbegleiter und Gefährten, kann fortschreitende Vereinsamung und Isolierung zur Folge haben. Roland Kreyscher versprach: „Der Tierschutz, der bislang bei keiner im Dreieicher Parlament vertretenen Parteien als eines ihrer politischen Ziele festgeschrieben ist, wird in das Programm von B90/Die Grünen aufgenommen.“ Darin könnte u. a. auch die Forderung nach einem Tierschutzbeauftragten formuliert werden.
Thema Sport in Dreieich: Von Kunstrasen bis Integration.
Zum letzten Sommerstammtisch waren aus fast jedem Stadtteil VereinsvertreterInnen gekommen: SUSGO Offenthal, Vultures, SV Dreieichenhain, die Schützengesellschaft und die STG aus Sprendlingen. Den Offenthalern war die Vorfreude auf die bevorstehende Fertigstellung des neuen Kunstrasenplatzes Ende September anzumerken. Aber, so Peter Graff für die GRÜNEN: „Allen ist klar, dass es einen weiteren Kunstrasenplatz in Dreieich nur geben kann, wenn private Sponsoren gefunden werden.“ Eine besondere Herausforderung, denn es geht dabei immerhin um eine Investition von mehr als einer halben Million Euro. Auch die Sportvereine spüren die besonderen Herausforderungen des ehrenamtlichen Einsatzes in Zeiten, da es um mehr geht, als den Sport an sich: Die Verwaltung eines Vereins ist komplexer geworden, die Anforderungen steigen, da auch Integrationsleistung zu erbringen ist, Ganztagsschule und G8 erfordern konzeptionelle Antworten und der finanzielle Druck wächst. „Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen lassen sich nicht beliebig steigern und die Kommunen sind klamm“, so unisono die Aussage der VereinsvertreterInnen. „Es war für uns erfreulich zu hören, dass die Vereine reagieren und mehr denn je zusammenarbeiten, um den Anforderungen – nicht nur durch Kooperationen im sportlichen Bereich – gerecht zu werden“, sagt Roland Kreyscher. Dennoch, auch hier der ´rote Faden´ der sich durch alle Gespräche zog: „Die Funktionäre sind stark gefordert, die allgemeine Anerkennung und Würdigung für ihren Einsatz kommt auch hier offenbar zu kurz.“
Die GRÜNEN haben auch in dieser Runde ein brisantes Thema nicht ausgespart: „Der Spardruck auf die kommunalen Finanzen, wird wohl auch am Sport in Dreieich nicht spurlos vorbei gehen“, so der finanzpolitische Sprecher der GRÜNEN Peter Graff. Es verweist darauf, dass von den 2 Mio. Euro die Dreieich jährlich für den Sport ausgibt, nur ca. 10 % an direkten Zuschüssen an die Vereine fließt. „Der größte Brocken wird für die Verwaltung, Unterhaltung und Instandhaltung der Sportplätze aufgewendet; nahe liegend, dass hier nach Einsparungen gesucht wird“. Nichts Neues für die Vereine, wird doch schon seit Jahren darüber nachgedacht und diskutiert, die Sportplätze an die Vereine zu übertragen, mit allen Rechten und Pflichten. „Unser Eindruck war, dass sich die Vereine intern, aber auch untereinander darüber Gedanken machen, wie sie sich dazu verhalten wollen. Denn wohl noch in 2010 wird die Sportplatzkommission eingerichtet und da wird das sicher ein Top-Thema sein“, berichtet Roland Kreyscher von den Gesprächen. Die GRÜNEN sehen die Funktion der Kommission durchaus positiv, denn auch bisher ist - nach Aussage aller VereinsvertreterInnen – die Zusammenarbeit der Vereine mit der Stadtverwaltung gut.
Der demografische Wandel scheint den meisten Vereinen keine Kopfschmerzen zu bereiten. In Offenthal boomt der Jugendbereich dermaßen, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen bei FCO und SUSGO unterkommen können: „Das liegt sicher auch an unserer hervorragenden Jugendarbeit und daran, dass die Welt in Offenthal noch etwas mehr in Ordnung ist als anderswo“, meint ein Vereinsvertreter. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten blieben die Mitgliederzahlen allgemein konstant. „Am Vereinsbeitrag für die Kids wird in den Familien offenbar nicht gespart. Das ist begrüßenswert, denn die Bedeutung des Vereinslebens für eine positive Sozialisierung ist nicht hoch genug einzuschätzen“, weiß Kreyscher aus eigener Erfahrung.
Die GRÜNEN wollen den Dialog mit den Vereinen fortsetzen, was von den Vereinen dankbar aufgenommen wurde: „Wir haben unser Angebot deutlich gemacht in regelmäßigem Kontakt zu bleiben, um sich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten – gegebenenfalls auch kurzfristig und nicht nur wenn Neujahrsempfang oder Sommerstammtisch anstehen“, so Kreyscher abschließend.
gez. Roland Kreyscher
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